Do.23.02.2023
NDR Bigband
plays the music of Peter Herbolzheimer
Konzert
Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Der Vorverkauf beginnt am 8. Juni - um 10 Uhr vor Ort bei den Vorverkaufsstellen der Elbphilharmonie, um 12 Uhr auch online über den NDR

Der Vorverkauf beginnt am 8. Juni - um 10 Uhr vor Ort bei den Vorverkaufsstellen der Elbphilharmonie, um 12 Uhr auch online über den NDR.


Er war einer der wichtigsten Kollegen und zugleich einer der herausragendsten Konkurrenten im Jazz „made in Germany“ – jetzt ehrt und würdigt die NDR Bigband den Komponisten und Arrangeur, Orchestergründer und Leiter Peter Herbolzheimer, der die Geschichte großer Jazz-Orchester in Deutschland neu zu schreiben begann.

Immer eigenständig, immer originell: Die Musik von Peter Herbolzheimer

„Old Kugelbauch“ – so frech und vergnügt hat ihn einst der legendäre deutsche Jazz-Publizist Werner Burkhardt charakterisiert. Und ja: Peter Herbolzheimer, 1935 geboren und aufgewachsen in Bukarest als Sohn rumänisch-deutscher Eltern, zunächst gelernter Gitarrist und bald nach dem Umzug nach Deutschland 1951 studierter Posaunist, war auch das – eine wirklich gewichtige Erscheinung. Vor allem aber war er immer zur Stelle, wenn es galt, der Musik, wie er sie liebte, neue Orientierung zu geben. Jörg Achim Keller, einer von Herbolzheimers Erben im musikalischen Geiste, erarbeitet jetzt für die NDR Bigband ein Konzertprogramm, dass an all die Meilensteine erinnert, die „Old Kugelbauch“ gesetzt hat und mit denen er in Erinnerung bleibt.

Aus der musikalischen Schule von Bert Kaempfert war er gekommen. Das war enorm wichtig für den Weg, den er nahm – denn Kaempfert hatte im Rahmen der internationalen Karriere, nicht zuletzt in den USA, ziemlich viele eherne starre Regeln und Grenzen des Jazz überschritten, speziell die hinüber zur Pop-Musik seiner Zeit. Genau da knüpfte der Twen junge Herbolzheimer an, nachdem er vier Jahre als Austauschschüler in den USA verbrachte, sich zum technischen Zeichner hatte ausbilden lassen und nun, zurückgekehrt nach Deutschland, in Nürnberg Jazz und eben Posaune studierte. Die ersten wichtigen Arbeiten entstanden am Rande der Jazz-Tradition.

Und Von jetzt an war Peter Herbolzheimer stets zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle - für die Band des Anfang der 70er Jahre aufstrebenden Sängers und Schlagzeugers Udo Lindenberg arrangierte er extrem knackige Bläser-Sätze. (und spielte auch selber mit im „Panikorchester“), 1969 schon gründete er das erste große eigene Orchester: die „Rhythm Combination and Brass“. Der etwas komplizierte Name markierte sehr deutlich Herbolzheimers Plan zur Jazz-Erneuerung – eine sehr üppig besetzte Rhythmus-Abteilung setzte er gegen musikalisches Blech, also nur die Bläser von Trompeten und Posaunen. Extrem reduziert, meist auf nur ein instrumentales Profil, war derweil der Ton vom Saxophon; Herb Geller etwa gehört zu diesen einsamen Solo Saxophonisten.

Die legendären ersten Aufnahmen, aufgenommen im Münchner Club „domicile“, sind noch immer im Handel; und In München entstand die Komposition, die Herbolzheimer endgültig bekannt werden ließ: die mit Jerry van Rooyen und Dieter Reith gemeinsam für Kurt Edelhagen geschriebene Musik zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1972. Und Herbolzheimer blieb am Ball – bis zu Kaempferts Tod in dessen Orchester, bis Ende der 80er Jahre an Lindenbergs Seite; und wann immer eine Konzertreise finanzierbar war, trommelte er die „Rhythm Combination and Brass“ zusammen. Medien-Kontakte nutzte er wie keiner sonst – spielte und arrangierte Musik für Alfred Biolek und „Bio’s Bahnhof“, veredelte das eigene Orchester mit Weltstars wie Stan Getz oder Gerry Mulligan für die „Jazz Gala“-Konzerte unter ZDF-Patronat.

Seit 1987 und weit über Herbolzheimers Tod 2010 hinaus blüht und gedeiht bis heute die vielleicht wichtigste Herbolzheimer-Idee: das Bundesjazzorchester „BuJazzO“, das er gegründet und fast zehn Jahre lang geleitet hat. Auch Meister aus der NDR Bigband, wie etwa Trompeter Ingolf Burkhardt, gingen durch diese Schule. Und Herbolzheimer engagierte sich auch berufspolitisch – bis 2006 war er Vorsitzender der UDJ, der Union Deutscher Jazzmusiker, die heute DJU heißt, Deutsche Jazz-Union.

Prallvoll mit Musik und umtriebig wie kaum einer war dieser Weltstar aus Deutschland, extrem eigenständig und sehr originell als Komponist und Arrangeur – Jörg Achim Keller kann also in einer voluminösen Schatzkiste wühlen, wenn er jetzt mit der NDR Bigband den Musiker würdigt und ehrt, der „Old Kugelbauch“ war.

Michael Laages   

   

 

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